Die Ausbildungen für Industrie und Handwerk werden an 55 technischen Schulen angeboten, fünf davon bieten sowohl technische als auch Handelsausbildungen. Die technischen Schulen decken zusammen ein sehr breites fachliches Spektrum ab - es gibt Ausbildungen für den Metallbereich, für den Bausektor und Anlagenbau, für Elektronik und EDV, für Lebensmittel, Transportwesen, Landwirtschaft, graphische Berufe und Dienstleistungsberufe.

Nur die größten Schulen können das gesamte Spektrum der Ausbildungen anbieten. In der Regel sind die Schulen spezialisiert, das heißt, sie sind in der Lage, Teile des großen Ausbildungsangebotes abzudecken.

Von Hüten fasziniert
Die 22-jährige Josefine Christoffersen wird Modistin, eine von insgesamt sechs Spezialrichtungen innerhalb des Schneiderhandwerks. Sie hat einen Ausbildungsplatz im Königlichen Theater Kopenhagen und hier sieht man sie in der Werkstatt der technischen Schule, in der sie die 4. Schulperiode der gesamten Ausbildungszeit absolviert. "Es ist ziemlich faszinierend, Hüte zu machen - flaches Material zu etwas Flottem und Elegantem zu formen. Man muß oft ganz viele Kräfte einsetzen, und dennoch ist das fertige Produkt immer so schick und zart."

Die Ausstattung der Schulen entspricht dem Lehrverfahren. Die Theorie wird immer von praktischen Übungen begleitet, damit die Schüler ihre theoretischen Kenntnisse in Arbeitssituationen einbringen können, die dem wirklichen Leben am Arbeitsplatz entsprechen. Werkstätten, Laboratorien, Technikräume usw. gibt es neben den traditionellen Klassenzimmern. Die Schulen verfügen über technologische Ausrüstung und Werkzeuge, die auf gleichem Niveau liegen wie das, was man in den entsprechenden Branchen anzutreffen pflegt. Die Ausbildungsgebiete der technischen Schulen verteilen sich auf drei Hauptkategorien: Berufsbezogene Ausbildungen, technisches Gymnasium und kurze Aus- und Weiterbildungskurse.

Berufsbezogene Ausbildungen
Es werden ca. 80 unterschiedliche Ausbildungen mit zusammen über 200 Spezialisierungsmöglichkeiten angeboten. Diese Ausbildungen dauern normalerweise zwischen drei und vier Jahren.

Alle Ausbildungen geben sowohl eine unmittelbare berufliche Kompetenz als auch eine direkte Zulassung zu den kürzeren, weiterführenden Technikerausbildungen der Schule und teilweise auch zu längeren Ausbildungen wie z.B. der Ingenieurausbildung. Die meisten Ausbildungen sind zugänglich für alle, die die Volksschule abgeschlossen haben. In der Regel beginnen die Schüler mit einem halben Jahr breiter berufsbezogener Einführung auf der technischen Schule, danach folgt ein halbes Jahr schulischer Vorbereitung auf eine bestimmte Ausbildung. Schüler mit abgeschlossener Ausbildungswahl können direkt die schulische Einführung in die gewählte Ausbildungsrichtung besuchen. Sie haben auch die Möglichkeit, den Beginn mit einem halbjährigen Praktikum in einem Betrieb zu wählen und danach die halbjährige Schuleinführung in die Ausbildung zu besuchen. Nach der schulischen Einführung in die Ausbildung werden alle Ausbildungen in einem bezahlten Ausbildungs- und Arbeitsverhältnis in einem Betrieb fortgeführt, unterbrochen von kürzeren Schulaufenthalten. Dieser Teil dauert normalerweise zwischen zwei und drei Jahren, typischerweise mit drei oder vier Schulperioden, von denen jede fünf oder zehn Wochen dauert. Die Schüler werden laufend während des Schulaufenthaltes geprüft, teils auf der Grundlage der Leistungen im täglichen Unterricht, teils auf der Grundlage von Prüfungen. Die Ausbildung schließt mit einer Prüfung ab, die vom zuständigen Fachausschuss ausgewertet wird und Grundlage eines standardisierten, nationalen Ausbildungszeugnisses ist.

Schlosserausbildung
Die beruflichen Ausbildungen sind als flexibles System mit breiter Grundlage und späterer Spezialisierung aufgebaut. Die Struktur mit einer Reihe von Spezialisierungsmöglichkeiten in der einzelnen Ausbildung soll sichern, daß die Ausbildungen immer mit dem Bedarf eines Wirtschaftslebens konform gehen. Wenn der Arbeitsmarkt es erforderlich macht, können die Ausbildungen auch mit neuen Spezialisierungsmöglichkeiten erweitert werden.

Sie will Ingenieur werden
Mira Nielsen ist 16 Jahre alt und mag Mathematik und Physik. Sie wählte u.a. deswegen das technische Gymnasium, weil es dort eine sowohl theoretische als praktische, projektbezogene Ausbildung gibt, in welcher die Schüler auf eigene Faust sich ihre Informationen vor Ort verschaffen. "Wir waren kürzlich auf Praktikumsbesuch in einem größeren örtlichen Industriebetrieb und werden jetzt in Gruppenarbeit Berichte über Themen wie Produktentwicklung, Qualitätskontrolle, Finanzplanung und Abfallprobleme erarbeiten."
Mira möchte Ingenieur werden.

Das technische Gymnasium (HTX)
Neben den beruflichen Ausbildungen bieten die technischen Schulen den Schülern aus den Abgangsjahrgängen der Volksschule eine Ausbildung auf gymnasialem Niveau.

Die dreijährige Vollzeitausbildung zum Höheren Technischen Examen (HTX) schließt mit einer allgemeinen Hochschulreife ab, aber sie wird vorzugsweise von Schülern besucht, die eine weiterführende technische oder naturwissenschaftliche Ausbildung anstreben.

Die Ausbildung beginnt mit einem halbjährigen Propädeutikum, in welchem die Hälfte des Unterrichts auf gymnasialem Niveau erteilt wird und die andere Hälfte dem Unterricht in einer beruflichen Ausbildung entspricht. Danach ist der Unterricht eindeutig gymnasial aufgebaut mit sowohl allgemeinbildenden Fächern auf entsprechendem Niveau wie auch gesellschaftsorientierten Wissenschafts- und Technikfächern. Der Unterricht in technischen Fächern ist in der Hauptsache theoretisch, doch wird er auch in praktischen Zusammenhängen erteilt.

Die Schüler im HTX haben eine ständige Möglichkeit, in eine berufliche Ausbildung oder in ein allgemeinbildendes Gymnasium zu wechseln, wobei in beiden Fällen der bereits absolvierte HTX-Besuch angerechnet wird. Einzige Zulassungsvoraussetzung für das HTX ist, daß der Schüler von der Volksschule als für eine gymnasiale Ausbildung geeignet eingestuft wird.

Kurze weiterführende Ausbildungsgänge
Die dritte Hauptkategorie in dem Ausbildungsangebot der technischen Schulen besteht aus einer Reihe kürzerer weiterführender Technikerausbildungen, durchgängig jeweils 24 Monate lang. Diese Ausbildungen qualifizieren für Arbeiten mit übergeordneten Funktionen und Entwicklungsaufgaben im Arbeitsleben. Die Zulassungsvoraussetzung für diese Ausbildungsgänge ist entweder eine einschlägige Berufsausbildung oder ein erfolgreich absolviertes technisches Gymnasium ergänzt durch ein einjähriges, fachrelevantes Praktikum. Eine Zulassungsmöglichkeit ist auch durch eine mindestens einjährige einschlägige berufliche Tätigkeit gegeben, evtl. ergänzt durch einen besonderen Vorkurs.

Die weiterführenden Ausbildungen an einer technischen Schule sind Vollzeitausbildungsgänge. Die Ausbildungen geben sowohl eine direkte berufliche Kompetenz als auch einen Zugang zu technischer Ausbildung auf höherem Niveau, z. B. verschiedenen Konstrukteurausbildungen.

Weitere Ausbildungsaktivitäten in technischen Schulen
Die dänischen technischen Schulen werden nach und nach auch zu Kompetenzentwicklungszentren, die über die Ausbildung von Jugendlichen hinaus eine große Anzahl Kurse und Ausbildungen anbieten, die sich besonders an Berufstätige wenden:

Die Kurse sind entweder von kürzerer Dauer (für Berufstätige) oder sie dauern bis zu 18 Monaten für nicht im Arbeitsprozess stehende Personen. Besonders längerfristige berufsqualifizierende Kurse und Maßnahmen sind für junge Arbeitslose zwischen 18 und 25 Jahren vorrangig.

Diese Ausbildungen finden in der Freizeit statt. In ihnen finden sich sowohl Ausbildungsbestandteile, die einer traditionellen Vollzeitausbildung entsprechen, als auch besondere Teilzeitausbildungselemente. Als besondere Teilzeitausbildung werden z. B. Kurse für mittlere Führungskräfte im technischen Bereich angeboten. Diese Teilzeitausbildungen schließen alle mit einem staatlich kontrollierten Prüfungsverfahren ab. Diese Ausbildungsaktivitäten können sowohl vom Arbeitsministerium als auch vom Unterrichtsministerium finanziert werden; Teilnehmerbeiträge oder Beiträge des Arbeitgebers kommen evtl. dazu.

Gefesselt vom Starkstrom
Dennis Markussen, 23 Jahre, ist gelernter Industrieelektriker und fing dann eine Zusatzausbildung als Elektroinstallateur an, allerdings beschloß er hierbei, doch eher Starkstromtechniker zu werden. "Ich könnte mir gut vorstellen, Steuerungsanlagen zu berechnen und zu planen. Man wird davon förmlich gefesselt, wenn man erst einmal damit zu tun hat."

Die Unterrichtenden an Technischen Schulen
Der Unterricht wird je nach Inhalt und Niveau von drei Lehrerkategorien erteilt:

  1. Lehrer mit einer fachlichen Grundausbildung und mindestens fünfjähriger einschlägiger Arbeitserfahrung
  2. Lehrer mit einer fachlichen Grundausbildung und einer weitergehenden theoretischen Ausbildung
  3. Lehrer mit einer Ausbildung auf Hochschul- oder Universitätsniveau.
Alle Lehrer ohne pädagogische Ausbildung müssen vor Abschluß der ersten zwei Jahre ihres Arbeitsverhältnisses eine pädagogische Ausbildung von ca. 500 Stunden Dauer absolvieren, die mit einer Abschlussprüfung beendet wird

Es wird darauf geachtet, daß die Lehrer umfassende Erfahrungen im Arbeitsleben haben, um das bestmögliche Miteinander zwischen den schulischen und den praktischen Teilen der Ausbildungsgänge zu gewährleisten.