Das dänische Ausbildungssystem hat tiefe Wurzeln in der Geschichte. Die Schulpflicht ist seit 1814 gesetzlich verankert. Die Entwicklung des dänischen Ausbildungssystems im 19. Jahrhundert geschah vor dem Hintergrund eines zunehmenden nationalen Bewußtseins und auch religiöser Erweckungsbewegungen in der gesamten Bevölkerung. 'Aufklärung' und das Verständnis für die Gesellschaftsverhältnisse wurden wichtige Ziele neben der Vermittlung von Lese- und Schreibfertigkeiten sowie von nützlichem Wissen. Die berufliche Ausbildung wurde auch von dieser Bewegung beeinflusst. Im Mittelalter war der von den verschiedenen Zünften aufgestellte Lehrvertrag Grundlage der beruflichen Ausbildung. Im 19. Jahrhundert wurde das Lehrlingssystem durch Schulunterricht ergänzt und in gesetzlichen Rahmen festgelegt. Weitsicht, Aneignung von allgemeinem Wissen und gesellschaftlichem Bewußtsein haben weiterhin einen hohen Stellenwert in allen Ausbildungsgängen.

Ein ganzheitliches Menschenbild in einer dynamischen
Gesellschaft
Dies gilt auch für die Ausbildungsgänge, die die Berufsschulen heutzutage
anbieten. Die jungen Menschen werden auf ein Arbeitsleben vorbereitet, in welchem
Flexibilität und Anpassungsfähigkeit ebenso notwendige Qualifikationen wie die
fachlichen Voraussetzungen bilden. Die Schüler erwerben konkrete fachliche und
handwerkliche Fertigkeiten. Aber sie lernen auch, den eigenen Horizont zu erweitern, sie
lernen Informationen zu suchen und zu benutzen und deren Perspektive in die tägliche
Praxis am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft umzusetzen. Sie werden darauf vorbereitet,
an der Entwicklung der Gesellschaft von einer Industriegesellschaft zur Dienstleistungs-
und Informationsgesellschaft mitzuwirken. Und sie lernen ebenso, verantwortlich am
demokratischen Gesellschaftsleben teilzuhaben.
Herausforderung und Aufgabe
Die auf das Wirtschaftsleben bezogenen Ausbildungen sollen den entsprechenden
Berufszweigen qualifizierte Mitarbeiter sichern, die ihre eigenen Ressourcen in einer
offenen Gesellschaft ausnützen können und gleichzeitig in der Lage sind, sich einem
Arbeitsmarkt in ständiger Veränderung anzupassen. Ein Wirtschaftsleben, das die
Konkurrenz betont, macht ein konkurrenzbetontes Ausbildungssystem notwendig. Die
Attraktivität der Ausbildungsgänge besteht im Angebot wirklich brauchbarer
Qualifikationen und ständiger Entwicklungs- und Wahlmöglichkeiten; damit ist dem
Wirtschaftsleben der Zugang tüchtiger junger Menschen gesichert.
Die Entwicklung einer offenen und dynamischen Gesellschaft macht notwendig, daß das Ausbildungssystem selbst offen gegenüber der Umwelt ist und sowohl hinsichtlich Struktur als auch Inhalt den Erfordernissen der Zeit angepasst werden kann. Doch gleichzeitig sollte gesichert sein, daß Kontinuität und entsprechende Qualität in den Ausbildungsgängen vorhanden ist. Deswegen ist das dänische Ausbildungssystem auch durch zentrale Steuerungs- und Kontrollmechanismen definiert, die sichern, daß die Wünsche des Arbeitsmarktes berücksichtigt werden, ohne daß übergeordnete und strategische Ausbildungsziele verloren gehen.