Die Berufsausbildungen für die Bereiche Handel, Büro und Verwaltung werden von 57 Handelsschulen angeboten, von denen fünf sowohl Handelsausbildungen als auch technische Ausbildungen anbieten.

Die Ausbildungen decken ein breites Spektrum mit vielen Spezialisierungsmöglichkeiten ab. Die Ausbildung im Bereich Büro kann z. B. eine Spezialisierung auf administrative Funktionen in privaten Betrieben, in öffentlichen Verwaltungen oder für bestimmte Branchen erfahren, ebenso können die Handelsausbildungen eher den Einzel- oder eher den Großhandel berücksichtigen. Eine Ausbildung in EDV-gestützter Systemplanung gehört auch zu dem Programm der Schulen. Auf der weiterführenden Ebene werden Qualifikationen für Arbeiten auf mittlerem Führungsniveau in Gebieten wie Verkauf, Marketing und Export angeboten.

Inhalt und Form des Unterrichts sind durch große Wirklichkeitsnähe gekennzeichnet. Interdisziplinäre Unterrichtsansätze werden gefördert. Selbständigkeit, Verantwortungsgefühl und Kooperationsbereitschaft werden trainiert und durch größere Projektaufgabenstellungen in selbständigen Gruppen erprobt. Fallstudien mit Ausgangspunkten in konkreten Problemstellungen, für welche die Azubis auf eigene Hand ergänzende Informationen einholen und Lösungsmodelle entwickeln, sind ebenso eine wichtige Unterrichtsform auf allen Ausbildungsebenen.

Die Ausbildungen der Handelsschulen finden in drei Haupt kategorien statt: Berufliche Ausbildungen, Handelsgymnasium und kurze weiter führende Ausbildungen.

Berufsausbildungen in der Handelsschule
Alle Grundausbildungen in der Handelsschule dauern vier Jahre und bestehen aus Schulausbildungsperioden in Kombination mit Praktika in Betrieben. Es gibt zwei Haupttypen des Ausbildungsverlaufes, zwischen denen die Schüler wählen können. Die Schüler können entweder mit einer ein- oder zweijährigen Ausbildung direkt in der Handelsschule anfangen*. Darauf folgt ein bezahltes Ausbildungsverhältnis mit kurzen Schulaufenthalten während des Restes der insgesamt
vier-jährigen Ausbildungszeit. Bei der anderen Möglichkeit beginnen die Schüler die Ausbildung mit einem Praktikum und machen dann mit abwechselnden Schul- und Ausbildungsverhältnisabschnitten weiter.

* (HG) 

Berufliche Ausbildungen
Es sind insgesamt fünf Ausbildungen mit ca. 25 Spezialrichtungen möglich. Alle Ausbildungen dauern vier Jahre.

Alle Ausbildungen geben sowohl eine unmittelbare berufliche Kompetenz als auch eine Zulassung zu den kurzen weiterführenden Ausbildungen der Handelsschule. Alle Ausbildungsgänge sind dual. Die Ausbildung wechselt zwischen dem Schulunterricht und der Ausbildung in einem entsprechenden Ausbildungsarbeitsverhältnis.

Der Zugang zu den Ausbildungsgängen der Handelsschulen ist frei für alle, die die Volksschule abgeschlossen haben. Die Schüler können zwischen zwei Typen des Ausbildungsverlaufes wählen:

  1. Eine ein- oder zweijährige Ausbildung an einer Handelsschule wird mit einem bezahlten Praktikum in einem Betrieb für den Rest des insgesamt vierjährigen Verlaufs fortgesetzt. Die Praktikumszeit wird von einer Reihe kürzerer Schulaufenthalte unterbrochen, bei einer dreijährigen Praktikumszeit insgesamt 17 Wochen, bei einer zwei jährigen Praktikumszeit insgesamt 7 bis 15 Wochen.
  2. Die Schüler können anstelle von 1 auch von Anfang an ein Ausbildungsarbeitsverhältnis in einem Betrieb eingehen und die Ausbildung damit beginnen. Während des zweiten und dritten Ausbildungsjahres wird die Praktikumszeit durch drei Schul aufenthalte an einer Handelsschule ergänzt.

Die Azubis werden laufend während des Schulaufenthaltes geprüft, teils auf der Grundlage der Bewertung der Teilnahme am Unterricht, teils auf der Grundlage von speziellen Prüfungen. Alle Ausbildungen schließen mit einer extern bewerteten Prüfung in den gewählten Fächern ab; das Zeugnis ist auf nationaler Ebene standardisiert.

Die Handelsschule ist das einzig Wahre, wenn man sich alle Möglichkeiten offenhalten will
"Ich besuche die Handelsschule gern. Die Fächer sind spannend und gesellschaftsbezogen und die Wahl fächer sind so vielseitig, daß jeder die für ihn wirklich wichtigen Fächer wählen kann. Man wird auf 'the real world' gut vorbereitet und lernt sowohl selbständig als auch in Gruppen zu arbeiten. Doch handelt es sich nicht nur um harte Arbeit - es gibt Vorträge, kleine Ausflüge und Schulfeste."

Christina Faber Andersen

Das höhere Handelsexamen ist eine gute Grundlage für weitere Ausbildung
"Ich bin der Meinung, daß das höhere Handelsexamen eine gute Grundlage für weitere Ausbildung bildet. Wir haben viele relevante Fächer, z.B. Sprachen, Kultur, Informationstechnologie, Wirtschaft und internationalen Verkauf - nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. Ich bin auch auf Studienbesuchen und zu Austauschprogrammen in Frankreich und Deutschland gewesen. Trotz der relativ kurzen Aufenthalte finde ich, daß ich unheimlich viel über diese Länder gelernt habe."

Benjamin Nielsen.

Das Handelsgymnasium (HHX)
Neben den beruflichen Ausbildungsgängen bieten die Handelsschulen den Absolventen der Volksschulen eine Ausbildung auf gymnasialem Niveau.

Die dreijährige Vollzeitausbildung zum Höheren Handelsexamen (HHX) schließt mit einer allgemeinen Hochschulreife ab, aber sie wird vorzugsweise von Schülern besucht, die eine weiterführende Handelsausbildung wünschen. Einige Schüler nutzen das Handelsgymnasium auch als Einstieg in einen der beruflichen Ausbildungsgänge der Handelschulen.

Die Ausbildung umfaßt sowohl allgemeinbildende Fächer auf gymnasialem Niveau als auch wirtschaftsorientierte Fächer wie Ökonomie, Marketing und Rechnungswesen. Die Schüler können durch Zuwahl ihrer Ausbildung das gewünschte Profil geben.

Die Schüler im HHX haben die ständige Möglichkeit, zu einer beruflichen Ausbildung oder zu einem allgemeinbildenden Gymnasium zu wechseln, wobei in beiden Fällen die im HHX absolvierte Zeit angerechnet wird. Zulassungsvoraussetzung für das HHX ist, daß die Schüler als gymnasialgeeignet eingestuft werden.

Kurze weiterführende Ausbildungen
Die dritte Hauptkategorie im Ausbildungsangebot der Handelsschulen ist eine Reihe kurzer, weiterführender Ausbildungen. Sie vermitteln die Qualifikation für Arbeiten mit übergeordneten Funktionen und für Entwicklungsaufgaben im Wirtschaftsleben.

Der Zugang setzt eine gymnasiale Ausbildung voraus oder eine berufliche Ausbildung, die durch Kenntnisse und Fertig keiten in einschlägigen Fächern auf gymnasialem Niveau ergänzt wurde. Die Ausbildungen sind entweder Vollzeitausbild ungsgänge (z. B. die zweijährige Ausbildung zum Marketingfachmann) oder sie wechseln zwischen Schule und Betrieb (z. B. die zweijährige Handels akademie-Ausbildung).

Diese Ausbildungen geben sowohl eine direkte berufliche Qualifikation als auch die Möglichkeit zur weiterführenden Ausbildung.

Übrige Ausbildungsmöglichkeiten in Handelsschulen
Die Handelsschulen sind Zentren kaufmännischer und wirtschaftlicher Kompetenz, die über die Ausbildungsgänge für Jugendliche hinaus eine Reihe Kurse und Ausbildungen anbieten, die sich besonders an Berufstätige richten:

Die Kurse können entweder von kürzerer Dauer für Berufstätige sein oder aber bis zu 18 Monate für Arbeitslose dauern. Besonders berufsqualifizierende Kurse von längerer Dauer sind für jugendliche Arbeitslose zwischen 18 und 25 Jahren vorrangig.

Diese Ausbildungen finden in der Freizeit statt. In ihnen finden sich sowohl Ausbildungsbestandteile, die einer traditionellen Vollzeitausbildung entsprechen, als auch besondere Teilzeit ausbildungselemente. Als besondere Teilzeitausbildung werden z. B. Kurse für mittlere Führungskräfte angeboten. Diese Teilzeitausbildungen schließen alle mit einem staatlich kontrollierten Prüfungsverfahren ab.

Diese Ausbildungsaktivitäten können sowohl vom Arbeitsministerium als auch vom Unterrichtsministerium finanziert werden; Teilnehmerbeiträge oder Beiträge des Arbeitgebers kommen evtl. dazu.

Die Unterrichtenden der Handelsschulen
Der Unterricht wird je nach Inhalt und Niveau von drei Lehrerkategorien erteilt:

  1. Lehrer mit einer fachlichen Grundausbildung und mindestens fünfjähriger einschlägiger Arbeitserfahrung
  2. Lehrer mit einer fachlichen Grundausbildung und einer weitergehenden theoretischen Ausbildung
  3. Lehrer mit einer Ausbildung auf Hochschul- oder Universitätsniveau

Alle Lehrer ohne pädagogische Ausbildung müssen vor Abschluß der ersten zwei Jahre ihres Arbeitsverhältnisses eine pädagogische Ausbildung von etwa 500 Stunden Dauer absolvieren, die mit einer Abschlussprüfung beendet wird.

Es wird darauf geachtet, daß die Lehrer umfassende Erfahrungen im Arbeitsleben haben, um das bestmögliche Miteinander zwischen den schulischen und den praktischen Teilen der Ausbildungsgänge zu gewährleisten.

 

Mit Blick auf das Ausland
Casper Buerlin, 26 Jahre alt, hat eine Teilzeitausbildung zum Kaufmann hinter sich und ist jetzt dabei, eine internationale Richtung innerhalb der zwei-jährigen Ausbildung zum Kaufmann einzuschlagen. "Ich könnte mir gut eine Arbeit im internationalen Zusammenhang vorstellen und möchte gerne ins Ausland." Casper überlegt, seine Grundausbildung mit einem Jahr in London zu ergänzen, wo seine Handelsschule gute Kontakte zu entsprechenden Ausbildungsinstitutionen hat und wo er dann gerne einen englischen B.A. erwerben möchte.